Evening Lecture

Prof. Dr. Hans Stumpfeldt

Warum eigentlich die "Gespräche"?

Über die Quellen zu Leben und Lehre des Konfuzius (551-479)


Das Lun-yü, "Gespräche", ist einer der Dreizehn Klassiker der chinesischen kulturellen Tradition. Es überliefert, in ungefähr 500 kurzen Notizen, Aussprüche des K'ung Ch'iu, dessen Namen und eine mit diesem verbundene Ehrenbezeichnung jesuitische Missionare im 17. Jahrhundert in das vertraute Konfuzius umschrieben. Auch die sinologische Forschung betrachtet das Lun-yü als einzig authentische Quelle zu den Lehrmeinungen dieses großen Weisheitslehrers nicht nur der chinesischen Tradition.

In der überlieferten Form entstand das Lun-yü wahrscheinlich um 150 v. Chr. – anhand von älteren Überlieferungen über die Worte und Taten dieses "Meisters K'ung" zusammengestellt, wie ihn schon bald auch gegnerische altchinesische Denker nannten. Solche älteren Überlieferungen seiner Worte mögen, wie allgemein angenommen, Schüler und Enkelschüler, sich ehrfurchtsvoll erinnernd, zusammengetragen haben. Unübersehbar sind im Lun-yü jedoch Widersprüchlichkeiten aller möglichen Art. Diese haben die sinologische Forschung in den letzten Jahren veranlasst, den Textschichten dieses Werkes und der Authentizität der einzelnen Notizen nachzuspüren: in noch vorläufiger Form.

Jenseits des Lun-yü enthält die klassische und spätklassische chinesische Literatur, weitgehend vor 150 v. Chr. entstanden, zahlreiche weitere Überlieferungen über Konfuzius, ebenso wörtliche Zitate zu seinen Lehrmeinungen. Was vermitteln diese – jenseits des durch die "Gespräche" Überlieferten? Auf diese Vielfalt soll dieser Vortrag hinweisen und gleichzeitig Wege andeuten, die zu neuen Blicken auf sein Leben und seine Lehre führen können.

Konfuzius